AUSSTELLUNG Johanna Seidel - Nocturne

Johanna Seidel

Nocturne

12. Juni
bis
31. Juli 2022

Die Vernissage ist am 12. Juni 14 - 17 Uhr. Johanna Seidel ist anwesend.

Mit der 29-jährigen Johanna Seidel präsentiert die Galerie Mellies eine aufstrebende junge Malerin aus Dresden, deren Œuvre gekennzeichnet ist von Bildern wie aus einem Dornröschenschlaf.

Johanna Seidel begann 2014 ihr Kunststudium an der renommierten Kunstakademie in Dresden, an der sie ein Jahr später bei Peter Bömmels - einem Vertreter der Neuen Wilden Malerei der 1980er Jahre -, lernte. Ohne direkt in die Fußstapfen ihres ersten Mentors zu treten, orientierte sich Johanna Seidels Werk an einer ähnlichen träumerischen und figurativen Malerei, die sie während eines Erasmus-Austauschprogramms 2017 an der École des Beaux-Arts in Paris bei James Rielly verfeinerte, bevor sie ein Jahr danach zunächst in die Malerei-Klasse von Aton Hennig zurück nach Dresden und schließlich in die Meisterschüler-Klasse von Anne Neukamp wechselte und ihre ureigene, unverwechselbare Handschrift entwickelte.

Bereits während ihrer Studienzeit an der HfBK Dresden zeigte sie vorwiegend in den ostdeutschen Metropolen Leipzig, Dresden oder Chemnitz ihre Werke in zahlreichen Ausstellungen, u.a. vor 2 Jahren im namhaften C. Rockefeller Center for Contemporary Arts in Dresden. Auch international nahm Johanna Seidel bereits an Ausstellungen teil, u.a. zeigte sie ihre Bilder in den Galeries Droite et Gauche in Paris oder im Studio.art in St Moritz. Eine sich international an die Detmolder Ausstellung anschließende Solo-Show wird sie im Herbst nach London führen, wo sie an der Artistsellar Galerie ausstellen wird. In diesem Jahr ist sie zudem nach Budapest zu einem Malerei-Symposium eingeladen.

Johanna Seidels Malerei ist geprägt von einem Zusammenspiel aus klarer, fast eingefrorener Figürlichkeit mit oftmals sehr abstrakten und märchenhaften Elementen. Sie zeigt Bilder selten aus einer Totalen, vielmehr sind sie wie Filmstills szenisch arrangierte Moment- und Nahaufnahmen, tagträumerische, rätselaufgebende und geschichtenerzählende Augenblicke und Standbilder.

Eines ihrer Markenzeichen sind dabei oft fast noch mit ihr selbst gleichaltrige Mädchen und junge Frauen, die teils abwesend, teils von irgendetwas gebannt oder ergriffen zu sein scheinen. Dabei befindet sich Johanna Seidel in einer unmittelbaren Dresdner Tradition, denn schon die Brücke-Maler wie Pechstein, Heckel oder besonders Ernst Ludwig Kirchner legten ein gewisses Faible für Mädchen als Modelle an den Tag - man denke nur an die berühmten Fränzi-Bilder. Die selbstvergessenen Haltungen der jungen Frauen in den Bildern von Johanna Seidel erinnern zuweilen beinahe an die Posen der Mädchen in den umstrittenen Bildern von Balthus. Die unterschwellig anzüglichen und schlüpfrigen Konnotationen von Balthus ersetzt Johanna Seidel jedoch gekonnt durch einen jungen, unverbrauchten feministischen Blickwinkel, der Balthus’ Lolita-Posen ins Traumhafte transkribiert. Ihre Figuren und Ebenbilder scheinen eher angelehnt an die stilisierten Körper aus Picassos blauer Periode oder an die, die wir aus den expressionistischen Filmen von Jean Cocteau her kennen.

Die Gemälde von Johanna Seidel erzeugen eine eigentümlich abgewandte Atmosphäre, beschwören ein Bauchgefühl herauf, das mitunter beunruhigend daherkommt. Das Fatale scheint sich im Naiven anzukündigen und evoziert emotionale Rückkopplungen, die man eher aus Filmen zu kennen meint. Ähnlich wie in Ulrike Ottingers berühmten Film „Freak Orlando“ von 1981 oder den magischen, mythologisch aufgeheizten Filmen Jaromil Jireš’ oder Krzysztof Kieślowskis transportiert sie zuweilen Surreales ins Gegenwärtige.

Johanna Seidel nennt als ihre Inspirationsquellen eine Riege sehr junger zeitgenössischer Malerinnen wie Mary Herbert, Oda Iselin Sønderland oder Carlotta Bailly Borg. Ihre Malerei zeigt darüber hinaus aber auch neben der Nähe zu ihren akademischen Lehrmeister:innen auch formale Bezüge zum polnischen Künstler Wilhelm Sasnal oder zu der Belgierin Peggy Wauters.

Die Symbolik des Märchenhaften wird bei ihr im Alltäglichen verortet und bekommt gerade durch die unprätentiöse Schlichtheit ihrer Malerei eine ganz unheimliche Dichte und Poesie. Getränkt in oft teigige, pastöse, beige und fast blasse Farben wirken ihre vielsagenden Bilder wie unter einer Salbe. Wie in Wolken.

Die Bilder, die sie malt, sind Bilder zum Inhalieren, schwerelos und doppelbödig und trotz aller Tiefe immer sehr nahbar.

Ausstellungsansichten

Vielen Dank an Jens Fricke (copyright) für die Fotos!

Bisherige Ausstellungen

AUSSTELLUNG HENRIETTE VON MÜNCHHAUSEN - LIQUID MARBLES

HENRIETTE VON MÜNCHHAUSEN

LIQUID MARBLES

27. märz
bis
07. mai 2022

Vor ihrer nächsten Ausstellung in Paris eröffnet Henriette von Münchhausen das Galerieprogramm für das Jahr 2022 der Galerie Mellies.

Im Anschluss an ihr Kunststudium an der Königlichen Akademie für Bildende Künste in Den Haag gründet die in München geborenen Henriette von Münchhausen 2018 neben ersten Erfolgen als bildende Künstlerin eine Online-Galerie, die sie als Kuratorin nutzt, um junge Kunst digital zu präsentieren.

Parallel dazu organisierte sie zahlreiche Kunst-Workshops und Pop-Up-Ausstellungen, die sie bis nach Montreal führten. Nach diesen vielgestaltigen. umtriebigen Anfangsjahren stellte Henriette von Münchhausen in diversen Galerien für Moderne Kunst in Den Haag aus. Hinzu kamen Performances u.a. bei der Kunstmesse in Amsterdam sowie eine Gestaltung des Kunstfensters des Goethe-Instituts in Rotterdam.

In den letzten Jahren ist der Fokus ihrer Ausstellungstätigkeit immer internationaler geworden. So zeigte Henriette von Münchhausen ihre Werke mehrfach in London, im Museum für zeitgenössische Kunst in Rochechouart (Frankreich) oder realisierte Ende 2021 auf Einladung des Kulturdezernats Köln ein Live-Painting-Projekt für die Initiative „Unser Ebertplatz“. Ihr künstlerischer Output ist immens und kann man als ebenso vielschichtig wie undergroundig beschreiben: Geheimnisvolle Installationen, farbenfrohe Aquarelle, spielerische Zeichnungen und poetische Text-Miniaturen wechseln sich ab mit großformatiger Malerei und klassischen Ausstellungen.

Henriette von Münchhausen sucht die Veränderung und bespielt den Wechsel. Nichts ist unumstößlich. Nichts ist fehl am Platz. Ihre Bilder weisen dabei im Gegensatz zu ihrer oft kraftstrotzenden Farbigkeit ganz zarte Wesen auf. Wie Matisse in seinem berühmten Gemälde „La Danse“ von 1909 arrangiert sie dabei ihre feingliedrigen Figuren fast schon musikalisch aneinander wie in einem Reigen. Als tanzten sie, schwirren und schwärmen ihre Figuren oft kreisrund in ihren Bildern umher. Wie Glühwürmchen in einem Schleiertanz sind sie aber auch immer als feine moderne Reminiszenzen an vergangene Kunstepochen lesbar.

Man denkt bei ihren Figuren schnell an die Figuren Paul Wunderlichs, an die schlafwandlerischen Transformationen einer Eva Hesse oder Stefanie Heinze. Ihre Vorliebe für Rot und Gelb, generell für Primärfarben, erinnert an die schwungvolle Malerei Walter Stöhrers. Ihre feingliedrigen, langbeinigen und verschlungenen Körper findet man z.B. auch in den Collagen von Wangechi Mutu wieder. Oder in den berückenden Aquarellen von Louise Bourgeois.

Bei dem Bild „Sorry not Sorry, (Monet)“ von 2021 oder ihrem „Panic Bunny“ von 2020 muss man unweigerlich an die Köpfe eines Walter Dahn denken oder an die von Dana Schutz, an Philip Guston, Milan Kunc oder Nicole Eisenman. Ein Foto auf ihrer Homepage, das sie dort unter dem Begriff „Kokolores“ verortet, erinnert an die übermalten Schulwandbilder von Julian Schnabel. Nur übermalt sie hier nichts, ihr dient als künstlerischer Eingriff lediglich das Drauflegen einer Tonkringel - und voilà, schon ist sie da: die künstlerische Geste, die Transformation in einen völlig anderen künstlerischen Subtext.

Aus ihrer Malerei steigen unweigerlich Bilder anderer Künstlerinnen und Künstler hervor. Man meint in ähnlicher Form Kritzeleien von Mika Rottenburg wiederzuerkennen. Das Groteske und die Fantastik erinnert an Charles Avery, der bunte überbordende Mix an Hervé Télémaque, die wilde Farbigkeit an Cecily Brown. Alles in allem Zitate, ohne zu zitieren.

Henriette von Münchhausens Suche nach einer Metaebene scheint eine ihrer Leitfragen zu sein. Indem sie ihre Bilder sehr dialogisch aufbaut - dissonant und hintergründig zugleich - gestaltet und baut sie einen Sog auf, der zwar immer im Kontext Kunst verortet und angelegt bleibt, sich jedoch trotz all der kunstgeschichtlichen Flash-Backs in ihrer außergewöhnlichen Uneindeutigkeit kaum packen lässt. Ihre Arbeiten bieten eine enorme Weite an Interpretationsmöglichkeiten und verborgenen kunsthistorischen Verweisen.

Und ob dies nun in ihrer multi-medialen Präsenz zu beobachten ist oder in ihrer Malerei, in der sie die Leere in ihren Bildern immer wieder inszeniert: Henriette von Münchhausen schafft bildliche Freiräume, setzt bewusst bruchstückhaft Leerstellen, akzentuiert und nuanciert Kunstpausen und lädt damit gleichzeitig ein, diese selbst auszufüllen.

Ausstellungsansichten

Vielen Dank an Ralf Bittner (copyright) für die Fotos zu den Installationsansichten!

Mirjam Wingender - MACHT SPIELE

Mirjam Wingender

MACHT SPIELE

05. september
bis
31. oktober 2021

In ihrer erst 3. Einzelausstellung zeigt Mirjam Wingender Bilder aus verschiedenen Werkphasen, die formal auf dem ersten Blick schnell erfassbar anmuten, sich aber rasch auf einer ganz eigentümlichen metaphysischen Ebene einpendeln. Gleichzeitig greifbar und benennbar kippen ihre Gemälde um und verwandeln sich zu etwas Wesenslosem und Unwirklichem.

1985 in Troisdorf geboren, absolvierte Mirjam Wingender 2009 im nahegelegenen Alfter bei Bonn ihr Malerei-Studium an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft.

Mirjam Wingenders Kunst ist von Beginn an das genaue Gegenteil einer sphärischen oder geistig abgehobenen Malerei. Eindeutige figurative Formen sind und bleiben fortan wesentliche Bestandteile ihrer Werke.

Bereits zum Ende ihres Studiums im Jahr 2008 wurde man auf Wingenders Bilder aufmerksam und sie nahm an ihrer ersten Gruppenausstellung in der Musemsbibliothek im Kölner Museum Ludwig teil. Zahlreiche weitere Gruppenbeteiligungen an Ausstellungen im Rheinland folgten, beispielsweise im Museum der Stadt Troisdorf, im Künstlerforum Remagen, im Frauenmuseum als auch im Künstlerforum Bonn sowie im Weserrenaissance Schloss Bevern bei Holzminden.

Darüber hinaus zeigte sie ihre Bilder mehrfach auf nationalen Kunstmessen und Art Fairs u.a. bei der Contemporary Art Ruhr in Essen oder der ARTe Messe Sindelfingen bei Stuttgart bis zu Teilnahmen 2016 an Messen in Belgien und Österreich.

Künstlerisch erfand sie sich immer wieder neu. Zeigte ihr Œuvre bis etwa 2015 noch vorwiegend kleinformatige surreale Collagen auf Holzgründen, löste sie sich mit den Jahren immer kontinuierlicher davon und fand über feinste realistische Portraitzeichnungen - 2014 noch nur mit Bleistift auf Holz - ungefähr um 2016 den Weg zur reinen großformatigen Malerei, bei der sie bis heute - bis auf kleine Ausflüge zurück zu farbenfrohen malerischen Collagen - blieb.

Ihre Malerei erinnert formal und inhaltlich an die Fotos der Dänin Trine Søndergard, in ihrer malerischen Perfektion müssen wir an die Bilder von Alex Geis oder Ewa Juszkiewicz denken. Ihre Frauen, Pferde und Astronauten erinnern von der ähnlichen Motiv-Auswahl her stark an Christina Hofbauers Gemälde. Ihre gleißend-bunte Farbigkeit an Xenia Hausner, ihre Entrücktheit an den dänischen Symbolisten Vilhelm Hammershøis.

Über allen zeitgenössischen und kunsthistorischen Analogien scheint jedoch das bildnerische Werk des Belgiers Michaël Borremans den größten Einfluss auf Mirjam Wingenders Bilder zu haben. Wie Borremans arrangiert sie ihre Modelle in exakte theaterhaft austarierte Posen, nimmt minimale Eingriffe der Veränderung vor und zeitigt damit allergrößte Wirkungen die bis ins Bizarre und Absurde, manchmal ins Drollige und Phantastische gehen. Plötzlich werden Gummihandschuhe zu Füßlingen oder wunderlichen Schlappohren, Haare verwickeln sich zu Schals und Schleiern, gefaltete Papierschiffchen blähen sich auf zu veritablen Rettungsbooten.

In einer anderen Werkgruppe beschäftigt sich Mirjam Wingender - ähnlich der reinen Tiermalerin Aimée Rolin Hoover in ihrer "fly mask series" von 2007, jedoch mit fast schon an Tapetenmuster erinnernde Ornamente im Hintergrund - mit Fliegen- und Lichtschutzmasken für Pferde.

Das Scheuen der Pferde vermeiden zu wollen, ihr Abschirmen, ist allerdings nur vordergründig das Thema ihrer animalisch inspirierten Bilderwelt. Mirjam Wingenders Pferdeköpfe zelebrieren förmlich - farblich virtuos übersteigert - das Überstülpen des Humanen. Sie macht das Maskieren zu einem zwar ästhetisch-sinnenfrohen jedoch auch übergriffigen Akt auf das Wehrlose, Beschützenswerte. Mensch und Tier verbinden sich nicht, erreichen keine symbiotische Verbindung.

Es ist das Grelle und Aufgesetzte im knallbunten Stoff, das vielleicht das Menschlichste überhaupt zeigt: das Eitle in der guten Absicht. Die Farbe wird hier zu einem Synonym für das Aneignen und Domestizieren der Natur. Das eigentliche Abschotten überhöht Mirjam Wingender in ihrer Bilderserie, indem sie ihre knallbunten Pferdebilder noch einmal um einen Maßstab vergrößert. Damit steigert sie das Maskenhafte, demaskiert es als Symbol für Scheuklappen-Denken, welches in der gutgemeinten Absicht das Pferd - hier als Stellvertreter und Platzhalter für die Natur - schützen, zähmen oder bewahren zu wollen, so oft obsiegt und ins Leere geht.

Mirjam Wingender lässt uns in ihren kafkaesken Bildern an diesem überdenkenswerten Umgang mit der Kreatur auf eine sehr ästhetische und verstörende Weise teilhaben. Ihre Pferdeköpfe wirken dabei nicht unruhig oder bewegt, wie sie vor einem Rennstart eigentlich sein sollten. Sondern einerseits verklärt und durch die prunkvollen Stoffe veredelt, andererseits fast wie eingefroren und stillgelegt. Im Bild auf ewig erstarrt und festgehalten. Jeglicher Dynamik enthoben. Wie in seidig-farbigen Beton gegossen. Ihre Pferde sind dabei alles andere als natürlich, sie wirken beinahe schon rührend und trotz oder gerade wegen der Masken vorgeführt und letzten Endes in ihrer Wehrlosigkeit und Gutmütigkeit zur Schau und somit bloßgestellt.

Diese eindringlichen Natur-Metamorphosen lassen einen aufhorchen. Mirjam Wingenders zunächst naturalistische, dann immer abstrakter werdende Malerei, die nur so vor Farbe strotzt, bringt uns dazu den Blick zu verändern und ganz genau auf noch die feinsten Pinselstriche und Nuancen zu achten.

Dann nistet sich ein Thrill in ihre Bilder. Irgendwas liegt in der Luft. Eine zarte Irritation. Und in einer ganz kleinen Melancholie verdichtet sich oft das Makabre, Mahnende und Fragliche.

Ein ganz geheimes, schelmiges und doch sehr kühnes Doppelleben zwischen Farbenrausch und Tiefgang.

Ausstellungsverzeichnis Mirjam Wingender - MACHT SPIELE (pdf)

Ausstellungsansichten

Aaron Rahe - Nemesis II

Aaron Rahe

FALLING SENSATIONS

20. juni
bis
01. august 2021

Mit dem 35-jährigen Aaron Rahe hält ein Künstler Einzug in die Galerie Mellies dessen oft kernige Gemälde eine überbordernde Freude am Gestaltungswillen zeigen. In seinen absurden Bildwelten zeigen sich sowohl kuriose als auch rätselhafte Parabeln und ein ihnen innewohnendes nervöses Gespür fürs Malerisch-Bombige.

Aaron Rahe stammt aus dem Teutoburger Wald. Geboren in Georgsmarienhütte zieht es ihn zunächst an die Carl von Ossietzky Universität nach Oldenburg, an der er neben Kunst und Medien auch Philosophie studiert. 2010 folgt sein Master an der Kunsthochschule Kiel. Vier weitere Jahre später absolviert er die Universität der Künste in Berlin, an der er schließlich 2015 Meisterschüler wird.

Neuerdings hat er den Wirkungskreis seiner Ateliers in Oldenburg und Berlin mit einem Studio in Osnabrück erweitert. Überdies von sich reden machte Aaron Rahe bereits seit einigen Jahren mit diversen Auszeichnungen für seine Malerei.

So erhielt er u.a. 2018 den Förderpreis Malerei der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg, im vergangenen Jahr wurde er für den Kunstpreis Osnabrück nominiert und gewann in diesem Jahr den Förderpreis Junge Kunst der kommunalen Galerien in Berlin Reinickendorf.

Seit seiner ersten Ausstellung 2009 konnte sich Aaron Rahe bereits in illustren Ausstellungen in ganz Deutschland profilieren, u.a. in Museen (z.B. Museum Villa Stahmer in Georgsmarienhütte, Museumsquartier Osnabrück), Galerien (Galerie Lake, Oldenburg oder die Kommunale Galerie in Berlin Charlottenburg) und in Kunstvereinen (u.a. Kunstverein Centre Bagatelle, Berlin, Kunstverein Vechta).
Dass seine Bilder auch über internationales Potential verfügen, konnte man bereits in Ausstellungen in Moskau, Prag, Strasbourg, Brüssel oder Enschede sehen.

Malerisch kann man seine Bilder sowohl von der noch sehr ähnlichen Farbwelt her als auch von den waldigen deutschen Inhalten her vielleicht am ehesten in die Nähe der ersten Bilder von Georg Baselitz ansiedeln. Aaron Rahe malt zwar ebenso gestisch, bei ihm werden die Farben aber eher getupft; nicht so ruppig und viel feiner aufgetragen.
Aaron Rahes große Geste liegt vielmehr in einer Freude am Sujet, am Fabulieren.

Nachdem er sich von einer frühen Phase, die sich eher noch in der abstrakten Hard Edge-Malerei manifestierte und an gegenstandslose konstruktivistische Bilder eines Ellsworth Kelly, Sean Scully oder Bernard Frize erinnerte, gelöst hat, bevölkerten fortan monströse figurative Inhalte seine Bilder, die der Bad Painting-Malerei zugeordnet werden können.
Aaron Rahe emanzipierte sich also schon sehr früh und sehr unverkrampft von einer ihn umgebenden greifbaren Realität. Dabei entwirft Aaron Rahe in seinen Bildern oft eine Art bühnenhaftes Tableau mit Bäumen und Schwarzwald-Landschaften im Hintergrund und collagenhaft angeordneten Menschen, Smileys, comicartigen Tier- und Kartoffel-Wesen im Vordergrund.

Die Determinante in dem malerischen Œuvre Aaron Rahes, das Amalgan seiner Bilder ist Humor und Pop.

Seine augenzwinkernd-hanswurstigen Bilder bewegen sich in einer langen künstlerischen und kulturellen europäischen Tradition und stellen sie auf ein ganz neues zeitgenössisches Podium. Das Nonsens eine scharfe Klinge sein und die Gesellschaft und mithin das System Kunst auf sehr despektierliche Art unterminieren kann, weiß man spätestens seit der Commedia dell' arte Italiens und der Dada-Bewegung, die sicherlich das Copyright inne haben auf alle noch folgenden Eulenspiegeleien und Valentinaden in der Kunst.

In der Kunst und Malerei übertrugen Daumier und Goya die Karikatur der Bauernschläue ins Malerische. Und selbst Velasquez befasste sich malerisch gern mit Hofnarren. In der moderneren Kunst denkt man schnell an Picabia, Polke oder Kippenberger, die den gesellschaftlichen Wertekanon gerne und oft in ihren zeitgenössischeren Werken humorvoll auf die Schippe nahmen und konterkarierten. Der komödiantische Einfallsreichtum von Aaron Rahe erinnert an David Shrigley, an den Pulp Paul Mc Carthys, bei näherer Betrachtung fallen einem auch Parallelen auf zu den Figuren des Schweden Joakim Ojanen. Maler und Malerinnen wie Jim Avignon, Aneta Kajzer oder der Maler 4000 stehen momentan sicher auch in einer formalen Nähe zu Aaron Rahes Bildern.
Seine Bilder vereinen die Derbheit John Currins mit der Leichtfüßigkeit der Karikaturen z.B. eines Bernd Pfarr und zeigen sehr beredt und stilsicher, dass eine Malerei des Komischen und Absurden mittlerweile zu einer ganz eigenen Disziplin und respektablen Gattung in der Kunstwelt avancieren konnte.

Aaron Rahe fordert Sehgewohnheiten heraus und schlägt ihnen ein Schnippchen.Verballhornt und veräppelt ungeschönt. Er bewegt sich gern und virtuos und ganz angstfrei im malerischen Porzellanladen. Seine Bilder sind kein gut geschnittener Anzug… sie sind fröhliche Partykluft.
Und nach den spaßgebremsten letzten Monaten, stehen Leichtigkeit und Witz - ein malerischer Big Bang in Reinkultur - jedweder Ausstellung sicher gut zu Gesicht. Ganz farbenfroh entwirft Aaron Rahe dabei eine durchaus kritische Parallel-Welt, die sich zwischen Hotdogs, Aluhüten und Centerfold-Katzen wie auf einer Kinderschaukel gekonnt und spielerisch hin und her bewegt. Aaron Rahe verwurstet schier alles. Und genau dieser sehr diverse Ansatz ist es, der seine Malerei so frisch und mutig, so unkalkulierbar macht.

Dies sollte zeitgenössische Kunst - im besten Sinne - sicher auch immer sein!

Ausstellungsansichten

Video zu FALLING SENSATIONS in der Galerie Mellies

Vielen Dank an Stefan Adam von streifschuss.com für das Video zur Ausstellung!

Kulturblog Resonanzen-OWL berichtet über FALLING SENSATIONS

Gosia Machon - Blinder Fleck

Gosia Machon

Blinder Fleck

18. april
bis
30. mai 2021

Die Galerie Mellies hat keine festen Öffnungszeiten, sondern ermöglicht individuell vereinbarte Besuche.

Aufgrund der aktuell geltenden Corona-Verordnung können Sie die Ausstellung mit FFP 2- oder OP-Maske besuchen. Dabei muss die einfache Rückverfolgbarkeit sichergestellt sein.

Zwei Personen dürfen die Galerie gleichzeitig besuchen. Bitte melden Sie sich telefonisch oder über E-Mail an.


Mit der Ausstellung "Blinder Fleck" startet die Galerie Mellies in das neue Ausstellungsjahr 2021.
( >> Werkübersicht pdf)

Gosia Machon, eine in Polen geborene und mittlerweile seit fast 20 Jahren in Hamburg lebende Malerin, die sich in dieser Zeit sowohl deutschlandweit als auch international als Künstlerin einen Namen hat machen können, zeigt neue Arbeiten auf Papier, Aquarelle, Gouachen sowie einige Ölgemälde. 

Bereits in ihren Anfangsjahren als Künstlerin wurde Gosia Machon zu namhaften Gruppenausstellungen u.a. ins Itabashi Museum nach Tokio, in den Salon de Livre nach Paris, ins MAK nach Wien oder national ins Museum für Druckkunst nach Leipzig eingeladen, bis sie 2008 in Hamburg mit ihrer ersten Einzelausstellung aufwarten konnte. 

Es folgten bis heute Einzel- und Gruppenshows mit hoher Reputation. Ihr Ausstellungsweg führte sie zum Goethe Institut nach Hamburg, europaweit über Bologna nach Istanbul, Antwerpen, Lodz und Copenhagen bis nach Shanghai, Kyoto oder Tel Aviv, um hier nur einige ihrer wichtigsten Stationen zu nennen. 2019 zeigte die renommierte Galerie Catherine Putman in Paris ihre Werke, Ende letzten Jahres der Kunstverein in Ellwangen.

Dass die sogenannte "Polnische Schule der Plakatkunst" - die polska skola plakatu - in den 50er und 60er Jahren eine künstlerische Gruppe die Weltruhm erlangte, auf ihre ersten Bilder abfärbte und Gosia Machon, selbst aus Oberschlesien stammend, sich vermutlich auch von dieser Tradition hat beeinflussen lassen, ist in der Frühphase ihres Werdegangs unübersehbar. So gewann Gosia Machon noch 2007 einen Preis in einem Plakatwettbewerb, bevor sie sich dann überwiegend der Malerei widmete. 

Den berühmten Plakaten aus Polen, diese "auf Gedankenverbindungen beruhenden Werke der polnischen Schule" werden z.B. von Wikipedia "extrem knappe eigenartige Ausdrucksmittel" bescheinigt, die Staatlichen Museen in Berlin attestieren ihnen aber auch "Frische und Neuartigkeit durch den Einsatz von Humor und Farbigkeit". Beides lässt sich beinahe 1 zu 1 auf das Œuvre von Gosia Machon übertragen. 

Gosia Machons Bilder wirken dramaturgisch, szenisch und fast filmisch. Man wird sowohl an die sehr transzendenten Filme des Russen Andrej Tarkowski erinnert, an Frantisek Vlacils bahnbrechende Verfilmungen "Marketa Lazarova"von 1967 oder "Die weisse Taube" als auch an "Das Turiner Pferd" von Bela Tarr von 2011. Sie verhandelt ihre Themen ähnlich ruhig wie jüngst Alfonso Cuaron in seinem Film "Roma", zeitweise fühlt man sich hineinversetzt in Traumsequenzen aus einem David Lynch-Film. Man fühlt sich aber auch an viktorianische Phantastik aus der Literatur erinnert, an die Novellen von Wilkie Collins oder Theodor Storm. Gosia Machons Bilder fallen ganz bewusst aus der Zeit.

Farblich und inhaltlich entdeckt man Parallelen zur Volkskultur, zum südamerikanischen magischen Realismus oder zur aktuellen afro-amerikanischen Malerei der Gegenwart, denkt man nur an die Nähe zu den malerischen Arbeiten von Kara Walker. Dann wieder meint man Bezüge zu entdecken zur italienischen Arte Povera und zur manchmal ganz bewusst ungelenk wirkenden Malerei der Transavantgarde eines Francesco Clemente oder eines Sandro Chia, zur arte cifra, manchmal auch zu Käthe Kollwitz oder den ersten Bildern von A.R. Penck noch vor seiner Höhlenmalerei-Phase. Zur primitiven Malerei, zum Fauvismus und zur Figuration Libre Frankreichs.

So karg und auf dem ersten Blick unscheinbar Gosia Machons Bilder zunächst daherzukommen scheinen, so stabil und gefestigt sind sie in der modernen Kultur und Malerei verankert und interpretieren diese unterschiedlichen kunstgeschichtlichen Strömungen und Tendenzen gekonnt neu.

Wenn Max Beckmann Kunst als "nichts anderes als vollendete Natur" postuliert, malt Gosia Machon ganz genauso. Indem sie ihre Bilder formal so sehr reduziert macht sie Identität hinter bzw. statt Realität sichtbar, verdichtet also die natürliche uns umgebende Realität ganz im Sinne Beckmanns. Gosia Machon macht Natur übernatürlich und hebt sie quasi aus sich selbst heraus.  

Das ist stilistisches Downsizing at its best. Aller vermeintlichen Sperrigkeit zum Trotz ist Gosia Machons Malerei immer auch ein Herunterbrechen von Farbe und Form um eine Steigerung der Wirkung willen. Und sie schafft es gerade damit, ihre Themen in eine famose reduzierte Bildsprache zu übersetzen.

Wer also einmal ganz gedankenvoll in seinen eigenen Assoziationen schwelgen möchte, ist in der Ausstellung "Blinder Fleck" von Gosia Machon sehr gut aufgehoben.  

Ausstellungsansichten

Blinder Fleck Video zur Ausstellung in der Galerie Mellies

Vielen Dank an Stefan Adam von streifschuss.com für das Video zur Ausstellung!

moki »a hidden place«

moki

A hidden place

06. september 2020
bis
31. januar 2021

moki, eine 1982 in Brilon geborene, in Berlin künstlerisch arbeitende und lebende Künstlerin setzt das Ausstellungsprogramm der Galerie Mellies mit der Ausstellung "a hidden place" fort.

Bereits während ihres Kunststudiums an der Kunstakademie in Hamburg wurde sie mit einem Stipendium des Cusanuswerks in Bonn gefördert, mit dem ICOM-Preis des Comic-Salons in Erlangen und dem Sondermann-Preis der Frankfurter Buchmesse ausgezeichent und begann national und international mit ersten Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Erscheinung zu treten und auf sich aufmerksam zu machen.

Erfolge in Hamburg, die sie über renommierte (Off-)Galerien wie Feinkunst Krüger, Helium Cowboy, Hinterconti oder der Affenfaust-Galerie feiern konnte, führten sie nach Berlin zunächst wiederum in unabhängige Ausstellungsräume (Neurotitan, Pictoplasma B) bis sie auch international ausstellerisch reussieren konnte. Ihr Weg führte sie in eine Vielzahl von Galerien weltweit: von Deutschland (Düsseldorf, Dresden) über Europa (Kopenhagen, Luzern, Riga,...) den Vereinigten Staaten (San Francisco, New York,...) bis nach Asien (Hongkong, Tokio, Kyoto).

Damit einher gingen bis heute zahlreiche Buch-Veröffentlichungen sowohl in namhaften deutschen Graphic Novel- und Comic-Verlagen (u.a. bei Reprodukt und Gingko Press) als auch bei Street Art-Verlagen (z.B. Gudberg-Nerger) oder dem Gestalten Kunstbuch-Verlag.

Ganz aktuell wurde im Juni gerade das von moki illustrierte Buch "Die wundersamen Zwölf" als eines der "25 Schönsten Deutschen Bücher 2020" von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.

Wie interdisziplinär und umtriebig mokis künstlerischer Ansatz ist, illustriert vielleicht am ehesten eine Zusammenarbeit 2017 mit dem Pianisten Lambert.

mokis Bilder und Portraits zeigen in ihren akademischen Anfängen in Gestus und Farbigkeit noch starke Anklänge an klare farbenfrohe native afrikanische Malerei, beispielsweise des Kongolesen Chéri Samba. Die späteren Gemälde erinnern in ihrer altmeisterlichen Malweise und Akkuratesse an nordamerikanische Pop-Surrealisten wie John Currin, Mark Ryden oder Marion Peck. In ihrer Leichtigkeit und Fabulierkraft vielleicht am ehesten an die Comics des Briten Luke Pearson, z.B. "Hilda and the hidden people" oder "Everything we miss". An die Anime-Filme aus den Ghibli-Studios des Japaners Hayao Miyazaki, beispielsweise "Mein Nachbar Totoro", "Chihiros Reise ins Zauberland", "Arietty - Die wundersame Welt der Borger" oder auch stark an die erste Netflix-Eigenproduktion "Okja" von 2017. Dann wieder glaubt man in mokis Arbeiten nostalgische Skizzen oder Zeichnungen aus längst vergangenen Naturkunde-Expeditionen, europäischen Wunderkammern oder altertümlichen Enzyklopädien wieder zu entdecken. Überall aber scheint der Geist von Thoreaus berühmten Buch "Walden" und eine gewisse Rückbesinnung auf die Natur durch zu schimmern.

Und wenn sich zu diesem forschenden Blick, zu all den Referenzen auf die zeitgenössische Malerei, auf die Film-, Literatur- und Kunstszene dann auch noch eine derartige Präzision in der gestalterischen Ausführung gesellt (wie geradezu lupenrein und milimetergenau moki zu malen imstande ist, wird in ihren sehenswerten Zeitraffer- und Making-of-Videos auf der Online-Plattform Vimeo sehr anschaulich), ist es in Gänze eben mehr als bloße Illustration. Dann werden Fragen hinfällig darüber, was es nun eigentlich ist, was moki uns zeigt. Urban Art oder Grafik, Comic oder Bilderbuch, Malerei oder Poesie. Die große Konstante in mokis polyphonem Repertoire ist ein sehr genauer und feiner anachronistischer Blickwinkel ins Amorphe und Diverse, ist eine bildnerische Vermessung der Natur, sind märchenhafte Wesen, sympathische Parasiten und traumhafte Figuren in spektakulären Settings.

In der zweiten Ausstellung der Galerie Mellies wird moki neue Arbeiten und Malereien der letzten Jahre präsentieren. Aber auch - im Hinterraum der Galerie - frühere Arbeiten ihres "Shelter"-Zyklus, in denen sie der Intarsien-Kunst auf Holz 2016 eine ganz neue Bedeutungsbene eingehaucht und diese mit einer sehr modernen Thematik revitalisiert hat. In dieser Serie behandelt moki das Thema Schutzräume, die man bis heute tagtäglich von Flüchtlings- und Auffanglagern zu sehen bekommt und die uns, genau wie mokis übrige Bilder auch, zu mehr Menschlichkeit, zu mehr Naturverbundenheit und Anteilnahme mahnen.

Ausstellungsansichten

Niina Lehtonen Braun # Girl let go

Niina Lehtonen Braun

 

08. märz
bis
21. juni 2020

Die aus Helsinki gebürtige und in Berlin beheimatete Künstlerin Niina Lehtonen Braun (Jahrgang 1975) eröffnet das diesjährige Galerieprogramm der Galerie Mellies in Detmold mit Bildern aus ihrer Serie "Mädchen lass los" sowie weiteren Bildern.

Zum ersten Mal über ihr Heimatland Finnland hinaus international in Erscheinung getreten ist Lehtonen Braun zu Beginn der Nuller Jahre in diversen Perfomances, Gruppenaustellungen und Solo-Shows innerhalb Europas (z.B. in Zürich, Wien, Amsterdam, London, Warschau, Manchester, Stockholm oder Prag) bis hin zu Ausstellungen in Übersee (z.B. in New York oder im Torrance Museum, USA).

Hinzu kamen in den letzten Jahren zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen und Ausstellungen in Deutschland in für ihr junges Alter bereits sehr renommierten Ausstellungsräumen: u.a. im Haus am Lützowplatz, im Kunstverein Neukölln, der Galerie der Künste sowie der Galerie Georg Nothelfer (alle Berlin) sowie in mehreren skandinavischen Museen (Norwegen, Finnland).

Ihre Arbeiten wurden zudem in diverse öffentlichen Sammlungen (z.B. in der finnischen National Galerie oder im Kunstmuseum Helsinki) aufgenommen und dort repräsentiert.

Der Bielefelder Kerber-Kunstbuchverlag widmete sich bereits 2013 sowie 2016 ihrem Werk mit zwei Publikationen.

Ihren Zyklus "Mädchen lass los" hat Niina Lehtonen Braun im vergangenen Jahr als erste Gastkünstlerin (im Programm Visiting Art/ist) im Finnland Institut am neuen Standort in der Friedrichstraße in Berlin gezeigt, aus dem auch Bilder für die hiesige Ausstellung in Detmold gewonnen werden konnten.

Lehtonen Brauns Œuvre ist Genre-übergreifend, man kann ihre Bilder weder "nur" als Collagen subsummieren noch ihre leuchtenden leichtfüssigen Bilder oder ihre oft seriellen Wand-Arrangements als "bloße" Malerei bezeichnen. Ganz im Gegenteil vereint sie diese beiden eher traditionellen bildnerischen Vorgehensweisen (Malerei und Collage) miteinander, ergänzt sie teilweise mit aufsehenerregenden Performances und widersetzt sich so einer Einordnung in herkömmliche künstlerische Schubladen. Das macht ihr zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changierendes Werk formal sehr frisch, sehr unverbraucht und manchmal im besten Sinne unbegreiflich, augenzwinkernd, rätsel- und märchenhaft. Stylistisch virtuos mischt sie den Betrachter:innen dabei eine inhaltliche Meta-Ebene unter, die sonst oftmals sehr schwer daherkommt: Verletzlichkeit und Weiblichkeit. Dadurch das sie die Sehgewohnheiten formal so gekonnt, so spielerisch unterminiert und konterkarriert, schleust sie fast schon kolportagenhaft sonst oft sehr schwermütige Bildinhalte quasi als trojanische Pferde in ihre Bilder und ihr gelingt das Kunststück sehr viel Ernsthaftes, sehr viel Kluges, sehr viel Bedenkenswertes sehr luftig und leicht zu verpacken.

Lehtonen Brauns Stilmix nimmt einerseits ihrer Themenwelt und dem Sujet ihrer Werke die Schwere, die Schwermut, bewahrt ihren Bildern aber gerade dadurch andererseits - und das ist oftmals das eigentlich Beachtliche in der zeitgenössischen Kunst, das Paradox - Tiefe und Würde.

Ausstellungsansichten

Videos

Kanal 21 - Video zur Ausstellung in der Galerie Mellies

Interview mit Niina Lehtonen Braun - Visiting Artist 2019

in Kooperation mit dem
Logo Finnland Institut

Kontakt

Sabine Mellies

Waldheidestr. 24, 32758 Detmold

Öffnungszeiten nach Vereinbarung

Anreise mit dem öffentlichem Nahverkehr:
vom Hbf Detmold mit der Linie 701 bis zur Haltestelle »Plantageneck«
Zur Fahrplanauskunft

Anreise mit dem Auto:
Zu Google Maps